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Aus der Praxis

Warum teure Branchensoftware trotzdem nicht zum eigenen Ablauf passen muss

Der Preis einer Software sagt wenig darüber aus, wie gut sie zu Ihrem täglichen Ablauf passt.

Maximilian Flötzinger · 6 Min. Lesezeit

Preis und Funktionsumfang sind nicht dasselbe wie Passung

Der Preis einer Software sagt wenig darüber aus, wie gut sie zu Ihrem täglichen Ablauf passt. Eine lange Funktionsliste sieht in einer Präsentation überzeugend aus. Im Betrieb zählt aber nicht, wie viele Funktionen theoretisch existieren, sondern wie schnell die zehn Dinge erledigt sind, die jeden Tag anfallen.

Passung ist keine Eigenschaft des Produkts allein. Dieselbe Software kann in einem Betrieb hervorragend funktionieren und in einem anderen ständig im Weg stehen, weil dort die Arbeit anders organisiert ist.

Woran Sie merken, dass etwas nicht passt

Die verlässlichsten Hinweise kommen nicht aus dem Lizenzvertrag, sondern aus dem Verhalten der Mitarbeiter:

  • Neben der Software wachsen eigene Excel-Listen für Dinge, die eigentlich im System stehen müssten.
  • Bestimmte Funktionen werden konsequent gemieden, weil der Weg dorthin zu umständlich ist.
  • Dieselben Daten werden an mehreren Stellen erneut eingegeben.
  • Es haben sich Umgehungslösungen etabliert, die niemand dokumentiert hat.
  • Neue Mitarbeiter lernen zuerst die Ausnahmen, nicht den vorgesehenen Weg.

Standardsoftware kann vollkommen richtig sein

Das ist kein Argument gegen Standardsoftware. Eine etablierte Branchenlösung deckt in der Regel sehr viel sinnvoll ab und ist fast immer die wirtschaftlichere Grundlage als eine komplette Eigenentwicklung. Nur wird sie für einen breiten Markt gebaut – und damit nicht für jeden betriebsspezifischen Zwischenschritt.

Wir nennen an dieser Stelle bewusst keine Hersteller und bewerten auch keine Software von innen. Uns interessiert das Muster, nicht der Anbieter.

Erst der Ablauf, dann die Software

Bevor eine Software ausgetauscht oder neu eingeführt wird, lohnt sich die umgekehrte Reihenfolge: den tatsächlichen Arbeitsablauf einmal konkret beschreiben – wer macht was, in welcher Reihenfolge, mit welchen Informationen. Danach lässt sich deutlich besser beurteilen, an welcher Stelle es wirklich klemmt.

Oft zeigt sich dabei, dass nicht die gesamte Software das Problem ist, sondern zwei oder drei konkrete Übergänge im Ablauf.

Austausch ist selten die erste Antwort

Wenn nur einzelne Schritte nicht passen, ist ein kompletter Systemwechsel meist der teuerste und riskanteste Weg. Häufig reicht eine andere Konfiguration, eine Schnittstelle zu einem zweiten System oder eine gezielte Erweiterung an genau der Stelle, an der heute von Hand gearbeitet wird.

Ein Systemwechsel bleibt eine legitime Option – aber als Ergebnis einer Analyse, nicht als Reflex auf Frust.

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