Handwerk & Prozesse
Excel im Handwerksbetrieb: Wann die Tabelle zum Prozessrisiko wird
Excel kann ziemlich viel. Wissen, wo Ihr Monteur gestern das Aufmaß abgelegt hat, gehört nicht automatisch dazu.
Maximilian Flötzinger · 6 Min. Lesezeit
Excel ist nicht der Feind
Excel kann ziemlich viel. Wissen, wo Ihr Monteur gestern das Aufmaß abgelegt hat, gehört nicht automatisch dazu. Bevor wir also über Grenzen reden: Excel ist ein hervorragendes Werkzeug für genau das, wofür es gebaut wurde. Zahlen sortieren, Formeln rechnen, schnelle Übersichten bauen. Nichts davon wird durch diesen Artikel schlechter.
Das Problem entsteht nicht durch Excel selbst, sondern durch das, was Betriebe im Lauf der Zeit darum herum bauen. Aus einer Liste wird ein Terminplan. Aus dem Terminplan wird eine Auftragsübersicht. Aus der Auftragsübersicht wird, ohne dass es jemand so geplant hätte, das zentrale Nervensystem des Betriebs.
Warum Tabellen für kleine Prozesse hervorragend sind
Solange eine Person die Tabelle pflegt, alle Informationen an einem Ort liegen und niemand von unterwegs zugreifen muss, funktioniert das erstaunlich lange. Ein kleiner Betrieb mit wenigen überschaubaren Aufträgen kann mit einer gut gepflegten Liste völlig ausreichend arbeiten. Es braucht dann kein Auftragssystem, sondern eine Liste, die stimmt.
Wann mehrere Mitarbeiter, Versionen und Außendienst zum Problem werden
Sobald zwei Personen dieselbe Datei bearbeiten, beginnt die Uhr zu ticken. Es gibt dann plötzlich 'Auftragsliste_final.xlsx', 'Auftragsliste_final_v2.xlsx' und 'Auftragsliste_final_v2_Kopie_Karl.xlsx'. Welche davon aktuell ist, weiß in dem Moment niemand mit Sicherheit – man vermutet es nur.
Kommt Außendienst dazu, wird es unübersichtlicher. Der Monteur auf der Baustelle hat keinen Zugriff auf die Bürodatei. Also ruft er an, oder er schreibt eine Nachricht, oder er trägt Änderungen erst abends nach. In der Zwischenzeit arbeitet das Büro mit einem Stand, der schon lange nicht mehr gilt.
„Excel + WhatsApp + E-Mail + Papier“ als Schatten-ERP
Wenn man genau hinschaut, läuft in vielen Betrieben längst ein eigenes System – nur eben nicht als Software gebaut, sondern als Kombination aus Tabelle, Messenger, Mail-Postfach und Klemmbrett. Jedes Werkzeug für sich ist sinnvoll. Zusammen ergeben sie ein Konstrukt, das niemand mehr vollständig überblickt, weil die Informationen an vier verschiedenen Orten liegen und nirgends zusammengeführt werden.
Dieses Schatten-ERP hat einen Vorteil: Es kostet auf den ersten Blick nichts. Der Preis zeigt sich erst später, in Form von Rückfragen, doppelter Arbeit und Aufträgen, die zwischen den Zuständigkeiten verloren gehen.
Warnsignale für Medienbrüche
Ein paar konkrete Anzeichen, dass die Tabelle langsam zum Risiko wird, statt zur Hilfe:
- Auftragsstatus wird regelmäßig telefonisch erfragt, weil die Tabelle nicht aktuell ist.
- Es existieren mehrere Versionen derselben Datei mit unterschiedlichem Stand.
- Fotos vom Auftrag liegen auf Privathandys statt am Vorgang.
- Neue Mitarbeiter brauchen lange, um zu verstehen, „wie wir das hier eigentlich machen“.
- Bei Krankheit oder Urlaub einer Person weiß niemand mehr, wo bestimmte Informationen stehen.
Nicht jedes Excel muss ersetzt werden
Das heißt nicht, dass jede Tabelle im Betrieb sofort in ein System wandern muss. Kalkulationen, interne Planungshilfen oder einmalige Auswertungen bleiben in Excel gut aufgehoben. Es geht nicht darum, ein Werkzeug zu verteufeln, sondern darum, ehrlich zu unterscheiden: Was ist eine Rechenhilfe, und was ist in Wahrheit die zentrale Datenquelle für laufende Aufträge?
Welche Daten in ein gemeinsames Auftragssystem gehören
Alles, was mehrere Personen gleichzeitig brauchen und was sich während eines Auftrags verändert, gehört in eine gemeinsame Struktur statt in eine private Kopie: Kundendaten, Auftragsstatus, Fotos, Notizen vom Termin, Unterschriften. Genau an diesem Punkt setzt Craftforce an – nicht als Ersatz für jede Tabelle im Haus, sondern als gemeinsamer Ort für das, was Büro und Außendienst tatsächlich gemeinsam brauchen.
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